Das Buch des Lebens…

Ausbildung

Der alte Mann saß auf einem Stein und schaute in die Ferne. Ein altes und schon sehr vergilbtes Buch lag neben ihm. Das Buch des Lebens.

Da fiel sein Blick auf etwas, was sein Schutzengel zur Stunde seiner Geburt dort eingetragen hatte. Der alte Mann hatte die Worte schon lange vergessen. Deshalb war es gut, sich jetzt daran zu erinnern. Denn das Leben war kurz und der Satz seines Schutzengels lautete:

Als wer möchtest du gehen? Welcher Mensch willst du sein, wenn eines Tages deine letzte Stunde schlägt?

Diese Worte berührten den alten Mann tief im Inneren. Denn sie erinnerten ihn auch daran, was sein Vater ihm vor vielen Jahren mit auf den Weg gegeben hatte:

„Alle Menschen, mit denen ich jemals Kontakt hatte, sind Lehrer. Nicht nur diejenigen, mit denen ich mich gut verstanden habe. Auch diejenigen, mit denen ich Stress und Streit hatte.

Denn sie lehren mich, gut auf mich selbst zu achten, innerlich ganz bei mir zu bleiben, mich nicht auf Spiegelkämpfe einzulassen. Sie lehren mich, dankbar zu sein. Dankbar dafür, dass manch „grober“ Hinweis im Grunde nur dazu da ist, einen Moment inne zu halten und mich zu fragen: Was braucht es, um meinem Weg treu zu bleiben?

Denn andere Menschen haben andere Meinungen. Es geht nicht darum, andere Menschen zu überzeugen oder über deren Lebenswege zu urteilen – es geht darum, authentisch zu sein und Entscheidungen zu treffen.

Denn die wichtigste Verbindung ist die zu uns selbst. Mit uns selbst gehen wir jeden Abend schlafen, mit uns selbst wachen wir jeden Morgen auf.“

Als der alte Mann über diese Worte nachdachte, war er froh. Denn er hatte nichts versäumt.

©Gerlinde Ullmann 2021
Geschichten und Märchen für Erwachsene

Veröffentlicht am 19.03.2021

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