Der Lebensgarten

Tipps und Tricks für stress- und konfliktfreie Kommunikation

Manchmal ist das Leben wie ein Garten. Wir machen einen Plan, legen Beete an, kaufen Samen und überlegen uns, wo etwas wachsen soll. In den langen Wintermonaten gibt uns die Vorfreude Kraft und Hoffnung.

Und dann ist es endlich da, das Frühjahr! Staunend beobachten wir, wie von einem Tag auf den anderen alles blüht und gedeiht.

Oder auch nicht.

Denn in manches Gewächs investieren sehr viel Energie, wir hegen und pflegen es, geben all unser Herzblut hinein und am Ende verdorrt es doch. Die Saat geht nicht auf und enttäuscht fragen wir uns: „Was habe ich bloß falsch gemacht?“ 

Da wächst plötzlich anderer Stelle etwas, niemals hätten wir damit gerechnet! Diesem Pflänzchen haben wir keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt und trotzdem ist da plötzlich etwas, wunderschön anzusehen, zart und beschützenswert.

Etwas, das trotz aller Widrigkeiten überlebt hat.

©Gerlinde Ullmann 2026
Geschichten und Märchen für Erwachsene

Die Kutsche und der Weg

Als ich begonnen habe, meinen eigenen Weg zu suchen, bin ich noch lange mit einer Kutsche gefahren„, erzählte die alte Frau.

Ein praktisches Gefährt, das vor mir schon viele andere Menschen verwendet hatten. Mir war zuerst gar nicht klar, dass man neue Pfade nicht mit alten Gefährten bewältigen kann.“

Die junge Frau nickte. „Lieber das vertraute Unglück, als das unbekannte Glück. Das kenne ich.“

Schließlich habe ich die Kutsche verschenkt und bin zu Fuß weiter gegangen. Das war ganz schön anstrengend und unbequem. Ich dachte, ich komme niemals voran.“ 

Aber hat es sich gelohnt?“, frage die junge Frau. 

Manchmal habe ich beim Gehen geweint. Die Tränen waren nicht traurig und sie waren nicht fröhlich. Sie sind einfach übergeflossen. Wie Wasser, das ein Flussbett reinigt. Und weißt du was? Dadurch habe ich gelernt, mich so zu lieben, wie ich bin. Weil es schöner ist, durch Wälder und Wiesen zu Fuß zu gehen, als auf asphaltierten Wegen in einer Kutsche zu fahren.

Darüber will ich nachdenken„, sagte die junge Frau. 

©Gerlinde Ullmann 2026
Geschichten und Märchen für Erwachsene

Die Geschichte vom kleinen Baum

Coaching Supervision Mediation Seminare Workshops

Es war einmal ein kleiner Baum. Er lebte mitten im Wald unter vielen anderen Bäumen. Alle um ihn herum waren groß und stark, schön und kraftvoll. Nur der kleine Baum nicht. Er war geknickt, sein Stamm krumm und weil er so traurig war, wurden seine Blätter schon vor der Zeit welk. Denn der kleine Baum war unglücklich.

„Was ist bloß los mit mir? Warum bin ich so? So anders als die anderen Bäume?“, fragte er sich. Und dann fing er an zu weinen. Er weinte so bitterlich, das ihn eine Eule besuchen kam. Sie setzte sich auf einen seiner krummen Äste und fragte: „Kleiner Baum, was ist los mit dir?“

„Ich weiß es nicht“, antwortete der kleine Baum. „Ich bin so anders als die anderen. Sie sind groß und schön, stark und kräftig. Nur ich bin klein und krumm.“

„Und warum kümmert dich das?“, fragte die Eule.

„Warum mich das kümmert? Was ist das denn für eine Frage?“

„Ja“, sagte die Eule. „Warum kümmert dich das?“

„Na, weil… weil…“, stotterte der kleine Baum.

„Siehst du“, sagte die Eule, „du weißt keine Antwort“.

„Natürlich weiß ich die Antwort!“, sagte der kleine Baum. „Ich will groß und stark sein, so wie die anderen! Ich will nicht so sein wie ich. So klein und krumm.“

„Du bist also unglücklich, weil du dich mit anderen vergleichst?“, fragte die Eule.

„Ja“, sagte der kleine Baum. „Ich bin unglücklich, weil ich mich mit anderen vergleiche!“

„Und was würdest du anders machen, wenn du anders wärst“, fragte die Eule?

„Was ich anders machen würde?, fragte der kleine Baum verblüfft.

„Ja“, sagte die Eule. „Was würdest du anders machen, wenn du anders wärst?“

„Hm. Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht“, sagte der kleine Baum. „Wenn ich anders wäre, wäre ich glücklich! Genau! Das ist die Antwort!“

„Aha“, sagte die Eule. „Und warum willst du glücklich sein?“

„Also wirklich, Eule, du stellst aber dumme Fragen! Warum ich glücklich sein will? Jeder will doch glücklich sein! Und wenn ich so wäre, wie die anderen, dann wäre ich glücklich!“, antwortete der kleine Baum voller Überzeugung.

„Was würdest du denn machen, wenn du glücklich wärst?“, fragte die Eule weiter.

„Was ich dann machen würde? Na, ich würde… ich würde…“, stotterte der kleine Baum wieder.

„Ja“, sagte die Eule. „Was würdest du tun, wenn du glücklich wärst? Wie würdest du sein, wie leben wollen?“

„Wenn ich glücklich wäre, würde ich genau hier leben wollen“, sagte der kleine Baum. „Hier ist es schön. Hier bin ich geboren, meine Wurzeln fühlen die Erde, meine Blätter spüren das Sonnenlicht und in meinem Stamm wohnen Vögel und Eichhörnchen.“

„Aha“, sagte die Eule. „Und was würdest du tun, wenn du unglücklich wärst?“

„Wenn ich unglücklich wäre? Na, dann würde ich auch hier sein wollen. Hier zwischen den anderen Bäumen. Hier ist doch mein Zuhause!“

„Eben“, sagte die Eule. Und flog davon.

©Gerlinde Ullmann 2018
Geschichten und Märchen für Erwachsene

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