Tagebuch eines Hundes

Hallo, ich bin Noah und ich bin ein Hund. Und das bin ich gerne. Was sollte ich auch sonst sein wollen? Soll ich mich etwa mit einem Pferd oder einem Elefanten vergleichen? Oder gar mit den Menschen? Brrrh…

Versteht mich nicht falsch, ich mag Menschen gerne. Aber, seien wir mal ehrlich, sie sind komisch. Manchmal habe ich den Eindruck, sie erleben sich selbst immer irgendwie als unvollständig. So, als ob sie ständig etwas an sich und anderen verbessern müssten. Dabei ist jeder Mensch etwas ganz Besonderes.

Das sieht man allerdings nur, wenn man auch mal auf den Käse und nicht nur auf die Löcher schaut 🙂

Meine Therapeutin hat mal gesagt, die meisten Menschen würden von einem Zustand des Mangels ausgehen. Da staunt Ihr jetzt aber, was? Hunde haben nämlich auch Therapeuten! Oder Coaches und Berater, ganz egal, wie Ihr das nennt. Bei uns läuft das allerdings so, dass wir dort ansetzen, wo etwas gut ist. Wo alles vollständig und in Ordnung ist. Um das Leben dann noch besser zu machen.

Was ich damit meine? Na, ganz einfach!

Wenn wir im Rudel unterwegs sind, achten wir ganz genau auf die Ressourcen jedes Einzelnen. Der eine ist ein Leithund und verschafft sich erst mal einen Überblick und der andere ist ein Wächter, der allen anderen den Rücken frei hält. Jeder ist in seiner Stärke und Kraft und jeder hat seine Aufgabe. Was sollte denn auch dabei heraus kommen, wenn wir die Rollen tauschen? Alle wären unglücklich und nicht in ihrer Mitte, das reinste Chaos.

Ich glaube, Ihr Menschen könntet eine ganze Menge von uns lernen.

©Gerlinde Ullmann 2019
Geschichten und Märchen für Erwachsene

Veröffentlicht am 15.08.2019

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