Tagebuch eines Hundes

Hallo, ich bin Noah und ich bin ein Hund. Und das bin ich gerne. Was sollte ich auch sonst sein wollen? Soll ich mich etwa mit einem Pferd oder einem Elefanten vergleichen? Oder gar mit den Menschen? Brrrh…

Versteht mich nicht falsch, ich mag Menschen gerne. Aber, seien wir mal ehrlich, sie sind komisch. Manchmal habe ich den Eindruck, sie erleben sich selbst immer irgendwie als unvollständig. So, als ob sie ständig etwas optimieren und verbessern müssten. Dabei ist jeder Mensch – wie auch jedes Tier – etwas ganz Besonderes. Mit ganz speziellen Eigenschaften und Fähigkeiten geboren. Ressourcen, die allen zugute kommen. Wenn man denn bereit wäre, einen Moment inne zu halten und nicht nur auf die Löcher, sondern auch mal auf den Käse zu schauen…

Das Problem an der Sache ist, dass die Menschen nicht nur sich selbst, sondern auch uns optimieren wollen. Meine Therapeutin hat mal gesagt, die meisten Menschen würden von einem Zustand des Mangels ausgehen, ganz egal, ob es sie selbst oder andere betrifft. Da staunt Ihr jetzt aber, was? Hunde haben nämlich auch Therapeuten! Oder Coaches und Berater, ganz egal, wie Ihr das nennt. Bei uns läuft das allerdings so, dass wir dort ansetzen, wo etwas gut ist. Wo alles vollständig und in Ordnung ist. Um das Leben dann noch besser zu machen. Wir schrauben nicht an uns oder unseren Artgenossen herum. Wenn wir im Rudel unterwegs sind, achten wir ganz genau auf die Ressourcen jedes Einzelnen. Der eine ist ein Leithund und geht gerne nach vorne, der andere ein Mitarbeiter, der anderen den Rücken frei hält. Jeder ist in seiner Stärke und Kraft und jeder hat eine Aufgabe. Was sollte denn auch dabei heraus kommen, wenn wir die Rollen vertauschen? Alle wären unglücklich und nicht in ihrer Mitte, das reinste Chaos.

Ich glaube, Menschen könnten eine ganze Menge von uns lernen.

Veröffentlicht am 15.08.2019

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